Museum Folkwang
  • HAP Grieshaber. Plakate

  • Grieshaber behandelte seine Plakate, die zahlenmäßig gegen sein übriges Werk nicht sonderlich ins Gewicht fallen, trotzdem nicht als Nebenprodukt. Nicht nur die neue Konstellation der Druckstöcke in z.T. neuen Farbvarianten erzeugte eine gewisse Eigenständigkeit, auch kam es vor, dass er Druckstöcke speziell zur Plakatherstellung schnitt. Dies konnten sowohl Größenanpassungen oder gespiegelte Motive, als auch eigens für die Plakatherstellung angefertigte Motive (Druckstöcke) sein. Damit spielt das Plakat mehr als eine begleitende Rolle, es wird selbst zum Ausdruck einer eigenständigen künstlerischen Auseinandersetzung.

    Ausstellungsplakate
    Selten sind Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst so unklar erkennbar, Übergänge von freier Grafik zum Plakat verschwommener als im Werk von HAP Grieshaber. Vor allem Plakate für seine eigenen Ausstellungen wurden unter den gleichen Bedingungen hergestellt, wie die grafischen Arbeiten. Der Farbholzschnitt war bevorzugte Drucktechnik. Die für den Druck der Grafik hergestellten Druckstöcke wurden ebenfalls für die Herstellung der Plakate genutzt. Dabei konnten bis dahin nicht vorhandene Konstellationen entstehen, da Druckstöcke verschiedener Grafiken für ein Plakat neu zusammengestellt wurden.
    Neben den Plakaten zu seinen eigenen Ausstellungen sind ebenfalls zahlreiche Plakate für andere Auftraggeber entstanden. Diese Auftragsplakate kann man in zwei Gruppen teilen: In die Gruppe der Plakate, die Grieshaber im Farbholzschnitt herstellte, und in die durch andere Druckverfahren – z.B. im Offsetdruck – wiedergegebenen Motive. Industrielle Druckverfahren wie etwa der Offsetdruck entziehen sich natürlich der individuellen Einflussnahme, im Sinne einer händischen Herstellung beim Auflagendruck. Demzufolge müssen sie in der Betrachtungsweise auch einen anderen Stellenwert einnehmen.

    Politische Plakate
    Bereits aus dem Jahre 1950 stammt das erste politische Plakat von HAP Grieshaber. ›Die Wahrheit siegt‹ kündigt einen Vortrag über den sich abzeichnenden Koreakrieg (1950-1953) an, weitere Plakate schließen sich an. 1967/1968 folgen u.a. Plakate gegen die griechische Militärdiktatur, wobei seine Motive auch von gleichgesinnten Gruppen verwendet werden konnten. Auf diese Weise verbanden sich Grieshaber-Motive mit bestimmten politischen Haltungen und waren als visuelle Ideenträger weit verbreitet. Die politischen Plakate von Grieshaber sind von starker Solidarität mit den Unterdrückten und der Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie getragen. Die erlebte Unterdrückung in den Jahren der NS-Diktatur (1933-1945) ließ ihn aus eigenem Erleben handeln. Als letztes politisches Plakat von seiner Hand erscheint zum Bundestagswahlkampf 1980 das Plakat ›Demokraten wählen‹.

    Plakate für Musik und Bühne
    Grieshaber variiert seine eigene Bildsprache, um sie der jeweiligen Aufgabe anzupassen und so entstanden einprägsame Arbeiten. Er übersetzt das Thema Bühnenbild in eine virtuelle räumliche Tiefe, deutet Raum an und entfernt sich von der sonst rein flächigen Gestaltung seiner Holzschnitte.
    Für das Württembergische Staatstheater entstehen in der Saison 1972/73 drei Plakate. Grieshaber erreicht durch wenige übereinstimmende Merkmale in den Arbeiten, dass man diese als Serie wahrnimmt. Die Art der Datumsnennung sowie die Platzierung der Texte von Auftraggeber und Stück bilden den Rahmen. Grieshaber begnügt sich jeweils mit einem Zentralmotiv, dessen Behandlung sehr zurückhaltend erfolgt ist: Die äußere Form ist klar, die innere Struktur verhalten kompliziert, so dass auch hier der speziellen Aufgabe des Plakats Rechnung getragen wurde.
  • Exh_Title_S: HAP Grieshaber. Plakate
  • Exh_Id: 100'656
  • Exh_Comment_S (Verantw): Deutsches Plakat Museum
  • Exh_SpareNField01_N (Verantw ID): 242
Werke
Hap Grieshaber Totentanz von Basel
Grieshaber / 15.5.–21.6.70 / Dominikanerkirche Osnabrück
Totentanz von Basel
HAP Grieshaber Bücher Grafik Plakate
Grieshaber, Holzschnitte und Lithographien
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Mussorgsky Boris Godunow
Tschaikowsky Schwanensee
Dallapiccola Der Gefangene