Museum Folkwang
  • Javanisches Schattenspiel

  • Das Schattenspiel ist auf den beiden zu Indonesien gehörigen Inseln Java und Bali sowie auf einigen anderen Inseln bekannt. Die Schatten (wayang) der aus Leder (kulit) geschnitzten Puppen erwecken in einer ›wayang kulit‹-Aufführung uralte Geschichten mit existenziellen Bedeutungen zum Leben. Der genaue Ursprung des ›wayang kulit‹ ist nicht bekannt. Erstmalig erwähnt wird es im altjavanischen Gedicht ›Arjunawiwaha‹ aus dem frühen 11. Jahrhundert. Darin wird gelehrt, dass alles im Leben Wahrgenommene Illusion ist, genauso wie die Schatten im Schattenspiel. Die bis heute gespielten Geschichten wurden bereits an den Tempeln der hindu-buddhistischen Periode Javas seit dem 9. Jahrhundert in steinerne Reliefs dargestellt.
    Die meisten der heute bekannten historischen ›wayang kulit‹-Sets stammen aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Die ›wayang‹-Figuren unterscheiden sich durch diverse Merkmale: Während z.B. die weiblichen Figuren aus Solo eine nach hinten hängende Gewandschleppe tragen, hängt sie bei den Figuren aus Yogya nach vorne.
    In früheren Zeiten wurde ›wayang‹ im Rahmen von glückverheißenden Ritualen aufgeführt, etwa anlässlich der Geburt eines Kindes, einer Hochzeit oder der Einweihung eines Hauses.
    Eine originale Schattenspielaufführung beginnt gegen 19 Uhr und endet häufig erst gegen 5 Uhr am nächsten Tag. Eine breite Leinwand ist aufgespannt über einem quer liegenden Bananenstamm, in den die Figuren des Sets gesteckt sind, rechts die ›Bösen‹ und links die ›Edlen‹ (von der Vorderseite der Leinwand aus gesehen). Hinter der Leinwand sitzt der Puppenspieler ›dalang‹, neben ihm in einer Holzkiste liegen die rund 50 Figuren bereit, die er während des Spiels braucht. Hinter ihm ist das ›gamelan‹-Orchester aufgebaut, bestehend aus Metallophonen, Gongs und anderen Instrumenten. Die hinter der Leinwand aufgehängte Öllampe ›blencong‹ wirft während des Spiels die Schatten der Puppen auf die Leinwand.

    Die Geschichten (lakon), die als Vorlage für eine ›wayang‹-Aufführung dienen, entstammen dem hindu-buddhistischen Kontext. Das ›wayang‹ wurde jedoch in den Rahmen der islamischen Religion integriert, die sich ab Anfang des 16. Jahrhunderts in Java und im größten Teil Indonesiens als die beherrschende Religion etabliert hat. Der Kern der ›lakon‹-Themen ist die Vereinigung des Menschen mit dem Göttlichen, welche ebenso das Ziel der sufistischen Ausrichtung ist, mit der der Islam ursprünglich in Java eingeführt wurde. Insofern stehen die hindu-buddhistischen Themen keineswegs im Gegensatz zur islamischen Praxis.
  • Exh_Title_S: Javanisches Schattenspiel
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  • Exh_Comment_S (Verantw): Archäologie, Weltkunst, Kunstgewerbe
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Werke
Nalagareng
  • Java
  • Nalagareng, undatiert

  • Schattenspielfigur für das Wayang Kulit-Theater
    Nalagareng (Nala Gareng) ist einer der Spaßmacher (panakawan), die die Edlen im Mahabharata begleiten und ihr Verhalten oft karikieren. Er gilt als eingebildeter, grotesker Dummkopf.
  • Inv.-Nr. K 810
Prabu Kresna
  • Java
  • Prabu Kresna, undatiert

  • Schattenspielfigur für das Wayang Kulit-Theater
    Kresna ist eine Inkarnation des Gottes Wishnu. Er tritt im Mahabharata als Berater der fünf edlen Pandawa-Brüder auf.
  • Inv.-Nr. K 780
Semar
  • Java
  • Semar, undatiert

  • Schattenspielfigur für das Wayang Kulit-Theater
    Semar ist der Vater von Petruk und Nalagareng und begleitet als Spaßmacher (panakawan) mit seinen beiden Söhnen hilfreich und komisch das Gute. Er ist ein Enkel von Hyang Ismaya und zugleich dessen Inkarnation. Er verfügt über enorme magische Kräfte.
  • Inv.-Nr. K 831