Museum Folkwang
  • Atelier van Lieshout. ›Die Stadt der Sklaven‹

  • Das Atelier Van Lieshout arbeitet seit 2005 an einer umfangreichen Werkgruppe mit dem Titel ›Slave City‹, die Pläne, Zeichnungen, Skulpturen, Modellen, und Installationen umfasst.

    Die ›Stadt der Sklaven‹ (›Slave City‹) ist eine künstlerische Dystopie voller historischer, kunsthistorischer, literarischer und filmischer Bezüge. Das Stadtprojekt von Atelier Van Lieshout, das in konsequentester Form auf Rationalität, Effizienz und Profit ausgerichtet ist, geht von der Möglichkeit einer Grundfinanzierung aus, die schnell höchste Profite zu versprechen scheint und spiegelt damit nicht zuletzt einige der wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre.

    Als Ausgangspunkt des 2005 ins Leben gerufenen Projektes jongliert Joep van Lieshout – der Kopf des Ateliers – mit gegenwärtigen ethischen und ästhetischen Werten, Vorstellungen über Ernährung, Umwelt- und Klimaschutz, Organisation, Management und Markt, die neu kombiniert und interpretiert werden. ›Slave City‹ zielt auf die Realisierung totaler Selbstversorgung und stellt sich zugleich als Pervertierung einer hochmodernen Leistungsgesellschaft dar. Der grünen Stadt, die nur soviel Energie verbraucht, wie sie selbst produziert, stehen Tabubrüche wie organisierte Versklavung und totales Recycling des Menschen gegenüber. In gewisser Weise ist die Stadt eine Neuinterpretation des Konzentrationslagers, das sich modernster Technologien bedient. Die einzige Entlohnung liegt in der Prostitution.

    Vier in der Sammlung befindliche skizzenartige Gemälde illustrieren Organisationsstrukturen. Die »Teilnehmer« des Projektes – wie die Einwohner genannt werden – arbeiten täglich sieben Stunden im Dienstleistungsbereich (Fernkommunikation, Call-Shops, Computerprogrammierung etc.), sieben Stunden auf den Feldern, Werkstätten oder in der Überwachung. Neben sieben Stunden Schlaf stehen drei Stunden Freizeit zur Verfügung. Ein strenges Überwachungssystem sorgt dafür, dass jede Abweichung drakonisch bestraft wird.

    Die Modelle der ›Stadt der Sklaven‹ zeigen eine perfekt durchgestaltete und kreative Stadt, in der sich neben der nötigen Infrastruktur Dienstleistungsgebäude, Universitäten, Gesundheits- und Einkaufszentren, Dörfer, Bordelle und Museen befinden. Die ›Call-Center-Units‹, in denen gearbeitet und geschlafen wird, sind Sammellager für je 20736 Personen per Block und einer Mindesteinheit von 72 Personen pro Segment.

    International bekannt wurde Atelier Lieshout in den 1990er Jahren mit der Herstellung mobiler Häuser und ›Hüllen‹, deren Konzeption auf die Freiheit der Bewegung, die Flexibilität in der Gestaltung und die Unterwanderung behördlicher Genehmigungen abzielte. Zudem fertigte AVL gebrauchsfertige Möbel (Bad Furniture), funktionstüchtige Toilettenanlagen, Schlafkojen, Wohnkapseln und Büroeinheiten. Bis heute entwickelt das Atelier in einzigartiger Weise klein- und großformatige Kunstwerke und Installationen zwischen Architektur, Design und Skulptur.
    Im Jahr 2001 wurde ›AVL-Ville‹ ins Leben gerufen, ein unabhängiger Stadtstaat im Hafen von Rotterdam. Der letztlich gescheiterten Umsetzung einer anarchischen Utopie folgte das noch andauernde Projekt der ›Slave City‹.
  • Exh_Title_S: Atelier van Lieshout. ›Die Stadt der Sklaven‹
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  • Exh_Comment_S (Verantw): Malerei, Skulptur, Medienkunst
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