Museum Folkwang
  • Ozeanien

  • Das Museum Folkwang verfügt über eine kleine, erlesene Sammlung von neunzehn Werken melanesischer Künstler, die größtenteils um 1915 den Beständen hinzugefügt wurden. Sie stammen mehrheitlich aus Papua Neuguinea, einem seit 1975 unabhängigen Inselstaat, dessen nördliche Gebiete von 1884 bis 1914 Teil des deutschen Kolonialreichs waren.
    Die größte zusammenhängende Werkgruppe besteht aus sieben Skulpturen von der im Nordosten dieses Staates gelegenen Insel Neuirland. Franz Wiesner, ein in Hagen gebürtiger und von 1912 bis 1914 als kaiserlicher Polizeimeister im Dienste der deutschen Kolonialverwaltung Neuguineas stehender Beamter, machte sie Osthaus durch die Vermittlung von Ada und Emil Nolde zum Geschenk.

    Malagan sind mehrfarbig gestaltete, meist durchbrochen gearbeitete Schnitzereien von großer Variabilität. Oft kombinierten die Künstler menschliche Formen mit solchen aus der Tier- und Pflanzenwelt, wobei sie den geschnitzten, zuweilen auch zusammengesetzten Figuren durch aufwendige Bemalungen zusätzliche Tiefe und Lebendigkeit verliehen.
    Der in Phasen gegliederte, mehrere Wochen oder Monate dauernde Herstellungsprozess erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch mit Muschelgeld entlöhnte Spezialisten. Die Arbeit der Künstler galt als gefährlich, weil sie dabei in Kontakt mit jenseitigen Wesen gerieten.
    Die Schnitzereien – sowohl die malagan als auch die uli – wurden im Rahmen groß angelegter Totengedenkfeiern eingesetzt. Sie galten zum Zeitpunkt des Rituals als beliebt und im Falle der malagan-Schnitzereien, die man in Schauhütten oder an meterhohen Wänden präsentierte, als das Medium, durch das die Toten endgültig ins Jenseits eingehen können. Ihre spirituelle Kraft überträgt sich so an die Nachfahren. Im Ritual verwendete malagan-Figuren menschlicher Gestalt konnten dabei kürzlich dahingeschiedene Verwandte, vor langer Zeit verstorbene Ahnen oder auch die sich von Generation zu Generation übertragende Lebenskraft repräsentieren.
    Zwei weitere Malagan-Figuren lassen sich aufgrund ihrer formalen und stilistischen Merkmale ebenfalls identifizieren. Sie gehören wahrscheinlich der Subtradition Marada an, die mit Regenmagie in Zusammenhang gebracht wird. Sie war nicht nur in Bezug auf Fruchtbarkeit und die Sicherstellung erfolgreicher Pflanzzyklen von Bedeutung, sondern darüber hinaus unverzichtbarer Bestandteil aller Rituale. Familien bzw. Subklane, die Rechte an Marada hatten, waren in der Regel auch Hüter von Regenmacherhainen, in denen neben geschnitzten Figuren die Schädel von berühmten verstorbenen Regenzauberern in großen Schalen der Tridacna-Muschel (vgl. das blütenartige Ornament, auf dem die beiden Figuren aufbewahrt wurden).

    Zu den wichtigsten Exemplaren eines Subklans gehörten horizontale, als kobokobor bezeichnete Friese, deren Übergabe den Aufstieg des Empfängers in den Rang eines Ritualführers signalisierte. Der waagrechte Fries in der Sammlung des Museum Folkwang zeichnet sich durch drei männliche Figuren aus, zwischen denen zwei so genannte ›Feueraugen‹ (mataling) dargestellt sind und aufgrund derer die Skulptur sich als kobokobor der Subtradition Valik zuordnen lässt. Nach dem rituellen Gebrauch hängte man Friese dieser Art früher zuweilen auch an Initiationshäusern auf.
  • Exh_Title_S: Ozeanien
  • Exh_Id: 100'503
  • Exh_Comment_S (Verantw): Archäologie, Weltkunst, Kunstgewerbe
  • Exh_SpareNField01_N (Verantw ID): 185
Werke
Malagan-Figur
  • Ozeanien
  • Malagan-Figur, Anfang 20. Jh.

  • Anthropomorphe Figur als bildliche Verkörperung der sich von Generation zu Generation übertragenden Lebenskraft des Klans, der die Figur besitzt.
  • Inv.-Nr. K 616
Malagan-Figur
  • Ozeanien
  • Malagan-Figur, um 1912

  • Anthropomorphe männliche Figur, die in den Ritualen des Ahnen- und Totenkultes Verwendung fand und in der Tradition der Regenmagie steht.
  • Inv.-Nr. K 618
Malagan-Figur
  • Ozeanien
  • Malagan-Figur, vor 1912

  • Anthropomorphe männliche Figur, die in den Ritualen des Ahnen- und Totenkultes Verwendung fand und in der Tradition der Regenmagie steht.
  • Inv.-Nr. K 623
Malagan-Fries
  • Ozeanien
  • Malagan-Fries, Anfang 20. Jh.

  • Waagrechter Fries mit anthropomorphen Figuren; diese Art zählt zu den wichtigsten malagan im Ritualbesitz eines Subklans.
  • Inv.-Nr. K 624