Museum Folkwang
  • Ägypten

  • Als die Sammlung Folkwang um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gegründet wurde, hatten die Kunsthändler nahezu unbegrenzt Zugang zu ägyptischen Objekten, deren Ausfuhr in dem unter englischem Protektorat stehenden Khedivenreich kaum Beschränkungen unterlag. Die Sammler standen jedoch vor dem Problem, dass sie sich bei ihrer Auswahl vor allem auf ihr eigenes Qualitätsbewusstsein und Stilempfinden stützen mussten. Sie konnten in der Regel den ästhetischen Wert der Objekte, weniger deren kulturhistorischen und kulturellen Kontext beurteilen, da die Denkmäler und Inschriften noch kaum erforscht waren. Mit großem Geschick ist es Karl Ernst Osthaus gelungen, einen Überblick über die künstlerische und kunsthandwerkliche Produktion Ägyptens zusammenzustellen, die von der vorgeschichtlichen Zeit bis zum Ende der Antike (6. Jh n. Chr.) reicht. Fast alle Objekte stammen aus Gräbern oder aus dem Bereich des Totenglaubens.

    Unter Ramses II. erlangte Ägypten einen knapp 50 Jahre dauernden Frieden und eine eine hohe kulturelle und wirtschaftliche Blüte. Dieser Torso ›Stabträger-Statue Ramses’ II.‹ (KPL 7) gehört zu dem in Ägypten seltenen Typus der »Stabträger Figuren«. Der bei Prozessionen mitgeführte Stab war vermutlich Amun geweiht, Gott der Herden, Weiden und der Fruchbarkeit.

    Auf das Bemühen, den traditionellen Kanon der ägyptischen Kunstformen zu bewahren und ihn griechischen Künstlern zu vermitteln, verweisen die Bildhauer-Modelle, die häufig Hilfslinien des Quadratnetzes tragen und gelegentlich auch griechische und demotische (das ist eine Kursive der Hieroglyphenschrift) Inschriften. Manche mögen auch als Weihgaben gedient haben. Sie finden sich vor allem in der Ptolemärzeit. Ihre Zahl wird auf etwa 2000 Exemplare geschätzt. Während das doppelseitige Relief aus der Zeit Ptolemaios´ II.-III. ein häufiges Motiv wiedergibt – auf der Vorderseite das eines Königs mit Nemes-Kopftuch, auf der Rückseite das Brustbild einer Göttin mit Geierhaube – ist das stark eingetiefte Relief eines menschlichen Gesichts ein Unikat. Es trägt die griechische Inschrift »dem Ptollas«, einen Personennamen, eingeritzt. (vgl. KPL 1 und KPL 2)

    Im Alten Ägypten wurden modellhafte Darstellungen des Haushaltes dem Toten ins Grab gegeben. Hohen Standespersonen sollte auf diese Weise eine Versorgung im Jenseits gesichert sein. (Vgl. KPL 14)

    Gefäße aus Hartgestein wurden bereits in der vorgeschichtlichen Naqada–Kultur um 3500 bis 3100 v. Chr. und in frühdynastischer Zeit in später kaum mehr übertroffener Perfektion hergestellt. Während man Häuser und Gegenstände des Alltags aus vergänglichen Materialien fertigte, benutzte man im Bereich der Gottesverehrung und des Totenkults den dauerhaften Stein. Er galt als Garant für die Ewigkeit und sicherte daher die fortwährende Versorgung der Toten mit den Grabbeilagen. Man experimentierte mit dem Material und erwarb Kenntnisse, die es ermöglichten, im Alten Reich Statuen und Reliefs anzufertigen und große Steinbauten wie die Pyramiden zu errichten. Die Formen der Gefäße sind zumeist keine Neuschöpfungen, sondern eine Umsetzung von Vorbildern aus anderen Materialien wie Ton, Metall oder Pflanzen. Buntes Hartgestein wie Diorit, Brekzie, Gabbro, Serpentinit, Basalt oder Kalkstein diente zunächst als Rohstoff für die Fertigstellung. Seit dem Mittleren Reich bevorzugte man ägyptischen Alabaster (Sinterkalk, Calcit-Alabaster), dessen verschiedenartige Maserung man für raffinierte Effekte ausnutzte, und Anhydrit (sogenannter »blauer Marmor«). Aus der Periode des Mittleren Reichs haben sich deutlich weniger Steingefäße erhalten. Die besonders kunstvollen Formen von Salb- und Schminkgefäßen sind zumeist dem Neuen Reich zu zuordnen.
  • Exh_Title_S: Ägypten
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  • Exh_Comment_S (Verantw): Archäologie, Weltkunst, Kunstgewerbe
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Werke
Stabträger-Statue Ramses’ II. (Fragment)
Beidseitig reliefiertes Bildhauermodell
Bildhauermodell oder Weihgabe
Dienerfigur von einem Bäckerei-Modell
Becherförmiges Steingefäß (Salbgefäß)
Flaschenartiges Gefäß mit Ringen
Becher
Becher
Pilgerflasche