Museum Folkwang
  • Videorebellen – Klaus vom Bruch, Marcel Odenbach und Ulrike Rosenbach

  • Klaus vom Bruch, Ulrike Rosenbach und Marcel Odenbach sendeten 1977 als erste Künstler in Deutschland ihr eigenes Fernsehprogramm – nicht auf einem Kanal der Öffentlich-rechtlichen Anstalten, sondern illegal auf einem der freien Kanäle. Der Piratensender erreichte in einem Radius von hundert Metern die nächste Umgebung. Programmzettel wurden verteilt und für Freunde, die den Sender nicht empfangen konnten, stand ein Fernsehmonitor auf einem Bildhauersockel im Zentrum des Ateliers. ›Alternativ-Television‹ war auf Sendung.

    Klaus vom Bruch und Ulrike Rosenbach waren 1976 aus den USA zurückgekehrt, wo sie die Bewegung der ›Guerilla-Television‹ kennengelernt hatten. Zusammen mit Marcel Odenbach gründeten sie in Köln das Video-Label ›ATV‹. Bis dahin waren Künstler für die Postproduktion ihrer Videos auf den guten Willen der großen Fernsehstudios angewiesen gewesen.

    Nach vier Jahren wurde das Label in ›Videorebellen‹ umbenannt. Unter diesem Namen sendeten sie 1981 im ZDF in Zusammenarbeit mit Rune Mields den Westprotest, um gegen den Ausschluss der Videokunst aus dem Museum zu revoltieren. Die Hoffnung, die Fernsehanstalten zu erobern, erfüllte sich auch bei den neuen Privaten Sendern nicht. Im Lauf der 1980er Jahre wurden installative Videopräsentationen wichtiger, das Videolabel produzierte 1984 seinen letzten Film.


    Die Rebellion – ›ATV‹ und ›Videorebellen‹ 1979 – 1982
    ›ATV‹ hatte ein spielerisches Programm: Neben ihren eigenen Produktionen zeigten sie Videos befreundeter Künstler. In diesem Programm folgten auf Fernsehparodien dokumentarische Formate, Fernsehzitate auf Performance-Aufzeichnungen, zeitgenössische Politik auf eine Klangmeditation. In der Ausstellung ›Spurensuche‹ im Kölnischen Kunstverein kündigten sie 1978 ihr Programm an.
    Ein festgelegtes Programm von zwölf Titeln sollte täglich ab 18 Uhr gezeigt werden. »Einblendungen von Zuschauern müssen jederzeit als 'Bild – im – Bild' über den Rück-Kanal möglich sein. Die akustische Einblendung wird der Entscheidung des Zuschauers überlassen«, so die Anweisung der ›Videorebellen‹.

    Regime – Fernsehen und Bildmacht
    »Alternativ Television, Köln, entstanden nach tausenden von Stunden vor europäischem und amerikanischem Fernsehen.« (1978) Die Bildsprache und Inhalte des Programms widerstanden den Regeln der offiziellen Medien, sie unterwanderten ihre Strategien, stellten sie in Frage. Im Unterschied zur Revolution ist die Rebellion nicht vom Entwurf eines neuen Machtsystems abhängig. Albert Camus interpretierte die Revolte als einen individuellen Widerstand gegen die Unfreiheit und als solche galt sie ihm als existentiell. Die Revolte ermögliche einen Erkenntnisprozess in der Gesellschaft: die Sichtbarwerdung der Unterdrückung.

    Rebellinnen und Rebellen – Rollenbilder
    Einige der Videos sind von subtiler Ironie geprägt. Ihre Auseinandersetzung mit männlichen und weiblichen Rollenklischees spart den modernen Künstler nicht aus. In dessen Bild überblenden sich der jugendliche Rebell und der avantgardistische Kämpfer. Dem steht die Vorstellung der kriegerischen Amazone zur Seite. Zeitgenössische Insignien der Rebellion finden sich in den Videos wieder, Insignien wie sie der Guerillero gegen eine umfassende Kameraüberwachung braucht: die Sturmhaube oder die Strickmütze mit Augenschlitz verbergen die Identität des Rebellen.

    Nach der Rebellion ist vor der Rebellion – Videos nach 1982
    Der Widerstand gegen die vorherrschende mediale Bilderwelt prägt die künstlerische Arbeit von Bruch, Odenbach und Rosenbach auch nach der Schließung des Videorebellen-Studios. Vom Bruch lässt in ›Azimut‹ die weltweit verbreitete Satellitenschüssel kreisen, Rosenbach hinterfragte die Ausbeutung der Natur, Odenbach setzte sich in mit Unterdrückung und Rebellion in den ehemaligen Kolonien auseinander. Mit ihrem Konzept eines Guerilla-Fernsehens nahmen sie heutige Videoplattformen vorweg. Die Video-Rebellion lebt weiter.
  • Exh_Title_S: Videorebellen – Klaus vom Bruch, Marcel Odenbach und Ulrike Rosenbach
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  • Exh_Comment_S (Verantw): Malerei, Skulptur, Medienkunst
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Werke
Madonna of Flowers
Das Duracellband
Lotusknospentöne
Als ein totgeschossener Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief
Das Alliiertenband
Reflexionen über die Geburt der Venus
Das Schleyer-Band I/II
Zwischen zwei Stühlen sitzen
Glauben Sie nicht, dass ich eine Amazone bin
Das Softyband
Abwarten und Tee trinken
AZIMUT
Vorurteile oder die Not macht erfinderisch
Eulenspieglerin
Judofrauen haben als Hilfe Boten
Die Einen den Anderen
Tanz um einen Baum
Stehen ist Nichtumfallen
Kobolds Gesänge