Museum Folkwang
  • »Unsere Zeit hat ein neues Formgefühl« – Plakate der zwanziger Jahre

  • I. Expressive Plakate
    Der Expressionismus war in der Malerei schon vor dem Ersten Weltkrieg ausgeprägt, expressive Plakate gab es bis 1914 aber nur recht wenige. Erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fand dieser Stil seinen Weg in die Massenmedien, vornehmlich in das Plakat und den Film. Hier dominierte er die Jahre bis ca. 1921/22, um dann wenige Jahre später völlig zu verschwinden. Zunächst waren es die politischen Plakate, die erstmals nach Ende des Kaiserreichs erscheinen konnten und die diesen expressiven Stil nutzten. Dies galt besonders für Plakate zur Wahl der Nationalversammlung (1919). Es entstanden die bis zu diesem Zeitpunkt brutalsten Bilder, die jemals im öffentlichen Raum gezeigt wurden. Plakate für kulturelle Veranstaltungen (Filmvorführungen, Aufführungen des Ausdruckstanzes, Ausstellungen etc.) waren ebenfalls in dieser hoch emotionalen Formensprache gestaltet. Hier sei besonders auf die Filmplakate von Josef Fenneker (1895–1956) hingewiesen. Kaum einen Weg fand das expressive Plakat jedoch in die Produktwerbung.

    II. Dekorative Plakate
    Genau genommen sind dekorative Plakate keine Besonderheit der 1920er Jahre – es gab sie natürlich schon im Jugendstil. Die Besonderheit liegt in der eigenständigen Ausprägung von Dekorativität. Zum einen wurde der Jugendstil überwunden, zum anderen war man (noch) nicht im Art déco angekommen. Als Beispiel sei auf die Arbeiten von Walter Schnackenberg (1880–1961) verwiesen. Gerade in diesem Bereich gab es international eine starke Entwicklung, z.B. in Frankreich, wo eine Art dekorativer Sachlichkeit vorangetrieben wurde, die sich auch auf die Gestaltung in Deutschland und dort teilweise auch auf das sachliche Plakat auswirkte. Durch den wachsenden Bereich der Filmplakate zog sich mehrheitlich eine malerisch-dekorative Linie.

    III. Sachliche Plakate
    Versammelt sind hier Arbeiten, die der Neuen Typografie, der Neuen Sachlichkeit bzw. dem Bauhaus und weiteren Strömungen angehören, die aus ähnlichen Haltungen heraus gearbeitet haben. Auffällig ist die Nutzung der Fotografie in ihren verschiedenen Varianten bis hin zur Fotomontage. Aus diesem Bereich stammen eine Reihe von langfristig stilprägenden Arbeiten, mit Auswirkungen bis heute. Die nüchterne (sachliche) Betrachtung von Form und Funktion traf ganz die Anforderungen an gute Gestaltung im Rahmen von industrieller Massenproduktion und, sich daraus ergebend, veränderten Lebensumständen und Lebensrhythmen. Neue Ausdrucksmöglichkeiten mittels Fotografie und Typografie bestimmten den Wandlungsprozess und veränderten die Gestaltung des Plakats nachhaltig. Mit den Filmplakaten von Jan Tschichold (1902–1974) konnte – wenn auch zunächst folgenlos – gezeigt werden, welches Potenzial in der konkreten Anwendung eines neuen Formgefühls steckt.
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Werke
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Die Heimat ist in Gefahr!
Wählt Spartakus
Der / Richter von / Zalamea
Der / gelbe Tod / Marmorhaus
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