Museum Folkwang
  • »Unsere Zeit hat ein neues Formgefühl« – Grafik der zwanziger Jahre

  • Die Veränderungen, die sich in der Malerei der zwanziger Jahre vollzogen, lassen sich auch in Zeichnung und Druckgrafik dieser Zeit beobachten. Der Expressionismus, der die Grafik in den Jahren um den Ersten Weltkrieg dominiert hatte, verlor seinen prägenden Einfluss. Stattdessen rückte die Wiedergabe der optischen Erscheinung der Dinge bei vielen Künstlern wieder in den Vordergrund. Der Titel einer Ausstellung der Mannheimer Kunsthalle von 1925 gab dieser künstlerischen Strömung ihren Namen – Neue Sachlichkeit.

    Einer ihrer wichtigsten Vertreter war Alexander Kanoldt. Neben Frauenporträts galt sein Interesse vor allem der Landschaft, insbesondere dem Zusammenklang von gebauter Stadt und urwüchsiger Natur. Solche Motive fand er in Italien, das er mehrfach bereiste. Auch Erich Heckel schuf in den zwanziger Jahren Naturdarstellungen, die sich in ihrer ruhigen Abgeklärtheit deutlich von seinen älteren, expressionistischen Werken abheben. Dass Max Beckmann von seinen Zeitgenossen als Vertreter der Neuen Sachlichkeit angesehen wurde, lässt sich am ehesten mit Blick auf seine Porträts jener Jahre nachvollziehen.

    Eine Sonderstellung nimmt Ernst Ludwig Kirchner ein. Als seinerzeit wichtigster Vertreter der zwischen 1905 und 1913 existierenden Künstlergemeinschaft „Brücke“, fand er in den zwanziger Jahren zu einem neuen Stil, der mit seinen expressionistischen Arbeiten nichts mehr gemein hat, sich aber auch nicht der Neuen Sachlichkeit zurechnen lässt. In der Sammlung des Museum Folkwang ist Kirchner unter anderem mit einigen Porträts vertreten, zu denen eine Darstellung des damaligen Direktors des Museum Folkwang, Ernst Gosebruch, zählt.

    In den zwanziger Jahren erlebte auch der Konstruktivismus eine Blütezeit. Ziel der Konstruktivisten war es, Kompositionsprinzipien für Werke zu entwickeln, die sich nur aus geometrischen Formelementen zusammensetzen. Einer der Hauptvertreter war der russische Künstler El Lissitzky, der auch in Deutschland wirkte und dort großen Einfluss hatte. Die zehn Farblithografien umfassende Serie ›Sieg über die Sonne‹ von El Lissitzky aus dem Jahr 1923 konnte vor einigen Jahren für das Museum Folkwang zurückerworben werden, nachdem sie 1938 als »entartet« beschlagnahmt und verkauft worden war. Nachdem Max Burchartz 1922 im Alter von 35 Jahren einen De Stijl-Kurs von Theo van Doesburg am Bauhaus in Weimar absolviert hatte, wandte er sich konsequent einer konstruktivistischen Formensprache zu. Sicher spielte hier auch der Einfluss von László Moholy-Nagy eine Rolle, der ebenfalls als Lehrer am Bauhaus wirkte.
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  • Exh_Comment_S (Verantw): Grafische Sammlung
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Werke
Mädchenkopf II
San Gimignano
Subiaco
Olevano VIII
Flusslandschaft
Fördelandschaft
Bildnis Piper
Portrait Baron Simolin
Männerkopf (Selbstbildnis)
Selbstbildnis (Melancholie der Berge)
Porträt Ernst Gosebruch
Mädchen am offenen Fenster
Ansager
Alter (Kopf 2 Schritt hinten)
Neuer
Konstruktion und Säule
Rotes Segment auf Grau
Wiederholung einer großen Form auf schwarzem Grund