Museum Folkwang
Selbstbildnis mit Kamelienzweig
  • Paula Modersohn-Becker
  • Selbstbildnis mit Kamelienzweig, 1906/1907

  • Öl auf Holz
  • 61,5 x 30,5 cm
  • Erworben 1913 für das Museum Folkwang, Hagen, seit 1922 Essen, beschlagnahmt 1937, wiedererworben 1957
  • Inv.-Nr. G 269
  • Text zum WerkWie kaum ein anderes Werk Paula Modersohn-Beckers zeigt dieses Selbstbildnis mit Kamelienzweig, dass die Künstlerin den ihr von Besuchen im Louvre bekannten antiken Mumienporträts entscheidende Anregungen für die eigene Malerei verdankte: »Jetzt fühle ich tief, wie ich an den Köpfen der Antike lernen kann. Wie sind die groß und einfach gesehen!« (Paula Modersohn-Becker, Tagebuch, Paris, 25. Februar 1903)
    Das hohe, schmale Format des Bildträgers, die Frontalität der Darstellung, die Nahsicht auf Kopf und Oberkörper und die übergroßen Augen lassen sich ebenso auf diese Vorbilder zurückführen wie die nur skizzenhafte Anlage der unteren Bildzone, die bei den Mumienporträts in situ von Stoffbinden verdeckt gewesen war. Der von der malerisch nur angedeuteten Hand gehaltene Kamelienzweig erhält dabei – nicht zuletzt durch die ikonografisch aufgeladene Geste selbst – die Funktion eines Attributs, das seinerseits auf die ältere Bildtradition verweist: Der immergrüne Kamelienzweig symbolisiert die ewige Wiederkehr von Erblühen und Verwelken, Werden und Vergehen, Leben und Tod. Nachdenken über die Vergänglichkeit ihrer eigenen Existenz war ihr keineswegs fremd. In Ihrem Tagebuch vermerkte Sie am 26. Juli 1900: »Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig? Ist ein Fest schöner, weil es länger ist? Und mein Leben ist ein Fest, ein kurzes intensives Fest.«
    Die Entstehung des Bildes kann mit dem letzten Aufenthalt der Künstlerin in Paris zwischen August 1906 und Ende März 1907 in Verbindung gebracht werden. Das Gesicht wirkt ausgeglichen, beinahe verklärt. Es ist Modersohn-Beckers letztes Selbstbildnis. Am 20. November 1907, knapp drei Wochen nach der Geburt ihres ersten Kindes, ist sie an den Folgen einer Embolie gestorben.
  • ProvenienzKünstlerin
    1913, Otto Modersohn
    02.1913 - 1922, Aus Ausstellung Paula Modersohn-Becker erworben, Museum Folkwang, Hagen
    1922 - 06.07.1937, Kauf, Museum Folkwang, Essen
    06.07.1937, für Ausstellung "Entartete Kunst" in München, Beschlagnahmung durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin
    1938 - 03.02.1939, Depot Schloss Schönhausen
    1939, Tausch, Sofie und Emanuel Fohn, Rom
    1939 - 05.04.1957, Prof. Dr. Christian Adolf Isermeyer, Berlin
    1957, Kauf bei Isermeyer, Museum Folkwang, Essen
  • Obj_Id: 1'003'406
  • Obj_Internet_S: Highlight
  • Obj_Ownership_S (Verantw):Malerei, Skulptur, Medienkunst
  • Obj_SpareNField01_N (Verantw): 187
  • Obj_Creditline_S: Museum Folkwang, Essen, Gemäldesammlung
  • Obj_Title1_S: Selbstbildnis mit Kamelienzweig
  • Obj_Title2_S:
  • Obj_PartDescription_S (Titelerg):
  • Obj_SpareMField01_M (Alle Titel): Selbstbildnis mit Kamelienzweig Self Portrait with Camellia Branch Selbstbildnis mit Kamelienzweig
  • Obj_Dating_S: 1906/1907
  • Jahr von: 1'906
  • Jahr bis: 1'907
  • Obj_IdentNr_S: G 269
  • Obj_IdentNrSort_S: G 0269
  • Obj_Classification_S (Objtyp): Gemälde
  • Obj_Crate_S: 61,5 x 30,5 cm
  • Obj_Material_S: Öl auf Holz
  • Obj_Technique_S:
  • Obj_SpareSField01_S (Mat./Tech.): Öl auf Holz
  • Obj_AccNote_S (Erwerb): Erworben 1913 für das Museum Folkwang, Hagen, seit 1922 Essen, beschlagnahmt 1937, wiedererworben 1957
  • Obj_PermanentLocation_S (Standort):
  • Obj_Condition1_S (Druckerei):
  • Obj_Condition2_S (Auflage):
  • Obj_Subtype_S (Genre):
  • Obj_Rights_S: © Museum Folkwang, Essen
Text zum Werk
Künstler
Provenienz

Wie kaum ein anderes Werk Paula Modersohn-Beckers zeigt dieses Selbstbildnis mit Kamelienzweig, dass die Künstlerin den ihr von Besuchen im Louvre bekannten antiken Mumienporträts entscheidende Anregungen für die eigene Malerei verdankte: »Jetzt fühle ich tief, wie ich an den Köpfen der Antike lernen kann. Wie sind die groß und einfach gesehen!« (Paula Modersohn-Becker, Tagebuch, Paris, 25. Februar 1903)
Das hohe, schmale Format des Bildträgers, die Frontalität der Darstellung, die Nahsicht auf Kopf und Oberkörper und die übergroßen Augen lassen sich ebenso auf diese Vorbilder zurückführen wie die nur skizzenhafte Anlage der unteren Bildzone, die bei den Mumienporträts in situ von Stoffbinden verdeckt gewesen war. Der von der malerisch nur angedeuteten Hand gehaltene Kamelienzweig erhält dabei – nicht zuletzt durch die ikonografisch aufgeladene Geste selbst – die Funktion eines Attributs, das seinerseits auf die ältere Bildtradition verweist: Der immergrüne Kamelienzweig symbolisiert die ewige Wiederkehr von Erblühen und Verwelken, Werden und Vergehen, Leben und Tod. Nachdenken über die Vergänglichkeit ihrer eigenen Existenz war ihr keineswegs fremd. In Ihrem Tagebuch vermerkte Sie am 26. Juli 1900: »Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig? Ist ein Fest schöner, weil es länger ist? Und mein Leben ist ein Fest, ein kurzes intensives Fest.«
Die Entstehung des Bildes kann mit dem letzten Aufenthalt der Künstlerin in Paris zwischen August 1906 und Ende März 1907 in Verbindung gebracht werden. Das Gesicht wirkt ausgeglichen, beinahe verklärt. Es ist Modersohn-Beckers letztes Selbstbildnis. Am 20. November 1907, knapp drei Wochen nach der Geburt ihres ersten Kindes, ist sie an den Folgen einer Embolie gestorben.