Museum Folkwang
La vague
  • Gustave Courbet
  • La vague, 1870

  • Die Woge
  • Öl auf Leinwand
  • 45 x 59 cm
  • Erworben 1989 mit Unterstützung der Eugen-und-Agnes-von-Waldthausen-Platzhoff-Museums-Stiftung
  • Inv.-Nr. G 497
  • Text zum WerkWährend seiner Aufenthalte in Étretat an der französischen Atlantikküste malte Courbet das Motiv der sich mächtig aufbäumenden und mit schaumiger Gischt anbrandenden Woge in vielfältigen Variationen. Der Betrachter sieht das endlos wiederkehrende Ereignis der anschlagenden Wellen und die stürmische Wetterlage mit den heran fliegenden, sich gleichfalls auftürmenden Wolken. Courbet wohnte in Etretat im Haus des Landschaftsmalers Le Poittevon, eines Verwandten des Schriftstellers Guy de Maupassant. Dieser veröffentlichte 1886 im Gil Blas seinen Eindruck von der Entstehung einer der ersten Fassungen des Themas: »In einem großen leeren Raum drückte ein gigantischer, schmutziger und schmieriger Mann mit einem Küchenmesser Kleckse weißer Farbe auf eine große Leinwand. Von Zeit zu Zeit trat er ans Fenster, presste sein Gesicht gegen die Scheibe und sah in den Sturm hinaus. Das Meer kam so nah, als wolle es gegen das Haus schlagen, das in Schaum und Lärm getaucht war. Das schmutzige Wasser schlug an die Fensterscheiben wie Hagel und triefte herunter. Auf dem Kamin stand eine Flasche Cidre und ein halbleeres Glas. Ab und zu trank Courbet ein wenig davon und kehrte dann wieder zu seinem Bild zurück. Das Werk wurde ›Die Woge‹ und machte Unruhe in der Welt.« Den Zeitgenossen blieb die politische Bedeutung, die Courbet hintergründig mit den Wogenbildern verband, nicht verborgen: Er begriff die Welle als Metapher für die Demokratie, die das Alte und Ungerechte für immer hinwegspült. Das Wilde in Courbets Wesen lässt sich in den Meeresbilder unmittelbar ablesen: Die schmutzig-rauhe Farbmaterie wurde temperamentvoll mit dem Küchenmesser aufgetragen. Die bedrohlich anbrandende, Gischt versprühende Woge wurde zu einem eingängigen Sinnbild für Courbets Bemühungen um eine neue, realistische Naturschilderung, die sich von dem Detailreichtum der Romantik entfernt, die Heiterkeit des Impressionismus jedoch noch nicht gefunden hatte.
  • Provenienz(1980), Slg. „M.D.“, Paris
    Slg. Durand Ruel, Paris
    Slg. Heinrich Thyssen-Bornemisza, London
    Galerie Dr. Fritz und Dr. Peter Nathan, Zürich
    seit 1989, Museum Folkwang, Essen
  • Obj_Id: 1'003'046
  • Obj_Internet_S: Highlight
  • Obj_Ownership_S (Verantw):Malerei, Skulptur, Medienkunst
  • Obj_SpareNField01_N (Verantw): 187
  • Obj_Creditline_S: Museum Folkwang, Essen, Gemäldesammlung
  • Obj_Title1_S: La vague
  • Obj_Title2_S: Die Woge
  • Obj_PartDescription_S (Titelerg):
  • Obj_SpareMField01_M (Alle Titel): La vague The Wave La vague Die Woge
  • Obj_Dating_S: 1870
  • Jahr von: 1'870
  • Jahr bis: 1'870
  • Obj_IdentNr_S: G 497
  • Obj_IdentNrSort_S: G 0497
  • Obj_Classification_S (Objtyp): Gemälde
  • Obj_Crate_S: 45 x 59 cm
  • Obj_Material_S: Öl auf Leinwand
  • Obj_Technique_S:
  • Obj_SpareSField01_S (Mat./Tech.): Öl auf Leinwand
  • Obj_AccNote_S (Erwerb): Erworben 1989 mit Unterstützung der Eugen-und-Agnes-von-Waldthausen-Platzhoff-Museums-Stiftung
  • Obj_PermanentLocation_S (Standort):
  • Obj_Condition1_S (Druckerei):
  • Obj_Condition2_S (Auflage):
  • Obj_Subtype_S (Genre):
  • Obj_Rights_S: © Museum Folkwang, Essen
    Foto: Museum Folkwang
Text zum Werk
Künstler
Provenienz

Während seiner Aufenthalte in Étretat an der französischen Atlantikküste malte Courbet das Motiv der sich mächtig aufbäumenden und mit schaumiger Gischt anbrandenden Woge in vielfältigen Variationen. Der Betrachter sieht das endlos wiederkehrende Ereignis der anschlagenden Wellen und die stürmische Wetterlage mit den heran fliegenden, sich gleichfalls auftürmenden Wolken. Courbet wohnte in Etretat im Haus des Landschaftsmalers Le Poittevon, eines Verwandten des Schriftstellers Guy de Maupassant. Dieser veröffentlichte 1886 im Gil Blas seinen Eindruck von der Entstehung einer der ersten Fassungen des Themas: »In einem großen leeren Raum drückte ein gigantischer, schmutziger und schmieriger Mann mit einem Küchenmesser Kleckse weißer Farbe auf eine große Leinwand. Von Zeit zu Zeit trat er ans Fenster, presste sein Gesicht gegen die Scheibe und sah in den Sturm hinaus. Das Meer kam so nah, als wolle es gegen das Haus schlagen, das in Schaum und Lärm getaucht war. Das schmutzige Wasser schlug an die Fensterscheiben wie Hagel und triefte herunter. Auf dem Kamin stand eine Flasche Cidre und ein halbleeres Glas. Ab und zu trank Courbet ein wenig davon und kehrte dann wieder zu seinem Bild zurück. Das Werk wurde ›Die Woge‹ und machte Unruhe in der Welt.« Den Zeitgenossen blieb die politische Bedeutung, die Courbet hintergründig mit den Wogenbildern verband, nicht verborgen: Er begriff die Welle als Metapher für die Demokratie, die das Alte und Ungerechte für immer hinwegspült. Das Wilde in Courbets Wesen lässt sich in den Meeresbilder unmittelbar ablesen: Die schmutzig-rauhe Farbmaterie wurde temperamentvoll mit dem Küchenmesser aufgetragen. Die bedrohlich anbrandende, Gischt versprühende Woge wurde zu einem eingängigen Sinnbild für Courbets Bemühungen um eine neue, realistische Naturschilderung, die sich von dem Detailreichtum der Romantik entfernt, die Heiterkeit des Impressionismus jedoch noch nicht gefunden hatte.