Museum Folkwang
Haus und Bäume
  • Karl Schmidt-Rottluff
  • Haus und Bäume, 1912

  • Öl auf Leinwand
  • 102 x 76 cm
  • Erworben 2008 mit Unterstützung des Folkwang-Museumsvereins, der Kultusrstiftung der Länder, der Kunststiftung NRW, des Landes NRW und der Stadt Essen
  • Inv.-Nr. G 590
  • Text zum WerkIn einem konzentrierten Schaffensprozess entstand 1912 eine Gruppe von wenigen Bildern, die zum bedeutendsten Teil des Œuvres Karl Schmidt-Rottluffs zählen, darunter auch das Gemälde ›Haus und Bäume‹, in dem der Künstler Natur und Architektur, Statik und Bewegung, Licht und Farbe in großartiger Weise verdichtet.
    ›Haus und Bäume‹ beeindruckt durch seinen festen, sicheren Aufbau und die impulsive, raue »sprezzatura‹. Das im Titel genannte Motiv lässt sich in einzelnen Formen und Farben noch entdecken: Ein Vorplatz von einer erdigen Farbigkeit, eine blaue Hauswand mit einer hohen Tür und zwei Fensteröffnungen, darüber eine aus gestaffelten grau-schwarzen Farbfeldern zusammengefügte Dachhaube sind zu sehen. Links und rechts steigen schmale Formen in Gelb und Rot – Bäume oder Fahnenmaste – auf, die das Haus einfassen und in die fahl leuchtenden, weiß-gelben Bahnen einmünden, mit denen die steil empor strebende Dynamik des Bildes abschließt. An den Seiten aufscheinende grüne Flächen deuten die Vegetation an.
    Die Formensprache ist durch eine starke Vereinfachung charakterisiert. Die Gegenstandsbeschreibung reduziert sich auf wenige eindeutig lesbare Einzelformen und Lokalfarben. Das Bild ist aus geometrischen Formen aufgebaut, die sich ineinander schieben und in einer freien Rhythmik übereinander geschichtet sind. Das im Zentrum sichtbare strahlende Blau bildet einen starken Kontrast zu den umliegenden dunklen Farben, die vereinzelt durch ein sattes Grün, insbesondere aber durch Akzente in Rot und Gelb aufgerissen werden.
    Formensprache und Kolorit des Gemäldes ›Haus und Bäume‹ weisen ihm innerhalb der Bilder, die Schmidt-Rottluff 1912 in Dangast malte, eine Sonderstellung zu. Der Künstler, der sich intensiver mit dem Kubismus auseinandersetzte als die übrigen Mitglieder der ›Brücke‹, unternahm in diesem Jahr den erfolgreichen Versuch, die aus Frankreich kommenden Neuerungen für die eigene künstlerische Arbeit nutzbar zu machen, indem er die kubistische Vereinfachung von Gegenstandsformen mit einer stark leuchtenden, expressiven Farbigkeit verband. Der Abstrahierungsprozess, der 1912 in Schmidt-Rottluffs Landschaftsmalerei einsetzte und der sein Werk der nachfolgenden Jahren maßgeblich bestimmte, erreichte in Haus und Bäume einen frühen, kühnen Höhepunkt. Gleichzeitig ist die Leuchtkraft des Kolorits in der Fläche abgemildert, um sie in einzelnen, eher kleinteiligen Partien des Bildes umso wirkungsvoller hervortreten zu lassen.
  • Provenienz1973, Künstler
    1973, Frankfurter Kunstkabinett - Hanna Bekker vom Rath
    1973, Roman Norbert Ketterer, Campione
    Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
    1984, Galerie Utermann, Dortmund
    Privatsammlung, Deutschland
    2008, Galerie Thomas, München
    2008, Museum Folkwang, Essen
  • Obj_Id: 1'022'059
  • Obj_Internet_S: ja
  • Obj_Ownership_S (Verantw):Malerei, Skulptur, Medienkunst
  • Obj_SpareNField01_N (Verantw): 187
  • Obj_Creditline_S: Gemäldesammlung
  • Obj_Title1_S: Haus und Bäume
  • Obj_Title2_S:
  • Obj_PartDescription_S (Titelerg):
  • Obj_SpareMField01_M (Alle Titel): Haus und Bäume House and Trees Haus und Bäume
  • Obj_Dating_S: 1912
  • Jahr von: 1'912
  • Jahr bis: 1'912
  • Obj_IdentNr_S: G 590
  • Obj_IdentNrSort_S: G 0590
  • Obj_Classification_S (Objtyp): Gemälde
  • Obj_Crate_S: 102 x 76 cm
  • Obj_Material_S: Öl auf Leinwand
  • Obj_Technique_S:
  • Obj_SpareSField01_S (Mat./Tech.): Öl auf Leinwand
  • Obj_AccNote_S (Erwerb): Erworben 2008 mit Unterstützung des Folkwang-Museumsvereins, der Kultusrstiftung der Länder, der Kunststiftung NRW, des Landes NRW und der Stadt Essen
  • Obj_PermanentLocation_S (Standort):
  • Obj_Condition1_S (Druckerei):
  • Obj_Condition2_S (Auflage):
  • Obj_Subtype_S (Genre):
  • Obj_Rights_S: © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Text zum Werk
Künstler
Provenienz

In einem konzentrierten Schaffensprozess entstand 1912 eine Gruppe von wenigen Bildern, die zum bedeutendsten Teil des Œuvres Karl Schmidt-Rottluffs zählen, darunter auch das Gemälde ›Haus und Bäume‹, in dem der Künstler Natur und Architektur, Statik und Bewegung, Licht und Farbe in großartiger Weise verdichtet.
›Haus und Bäume‹ beeindruckt durch seinen festen, sicheren Aufbau und die impulsive, raue »sprezzatura‹. Das im Titel genannte Motiv lässt sich in einzelnen Formen und Farben noch entdecken: Ein Vorplatz von einer erdigen Farbigkeit, eine blaue Hauswand mit einer hohen Tür und zwei Fensteröffnungen, darüber eine aus gestaffelten grau-schwarzen Farbfeldern zusammengefügte Dachhaube sind zu sehen. Links und rechts steigen schmale Formen in Gelb und Rot – Bäume oder Fahnenmaste – auf, die das Haus einfassen und in die fahl leuchtenden, weiß-gelben Bahnen einmünden, mit denen die steil empor strebende Dynamik des Bildes abschließt. An den Seiten aufscheinende grüne Flächen deuten die Vegetation an.
Die Formensprache ist durch eine starke Vereinfachung charakterisiert. Die Gegenstandsbeschreibung reduziert sich auf wenige eindeutig lesbare Einzelformen und Lokalfarben. Das Bild ist aus geometrischen Formen aufgebaut, die sich ineinander schieben und in einer freien Rhythmik übereinander geschichtet sind. Das im Zentrum sichtbare strahlende Blau bildet einen starken Kontrast zu den umliegenden dunklen Farben, die vereinzelt durch ein sattes Grün, insbesondere aber durch Akzente in Rot und Gelb aufgerissen werden.
Formensprache und Kolorit des Gemäldes ›Haus und Bäume‹ weisen ihm innerhalb der Bilder, die Schmidt-Rottluff 1912 in Dangast malte, eine Sonderstellung zu. Der Künstler, der sich intensiver mit dem Kubismus auseinandersetzte als die übrigen Mitglieder der ›Brücke‹, unternahm in diesem Jahr den erfolgreichen Versuch, die aus Frankreich kommenden Neuerungen für die eigene künstlerische Arbeit nutzbar zu machen, indem er die kubistische Vereinfachung von Gegenstandsformen mit einer stark leuchtenden, expressiven Farbigkeit verband. Der Abstrahierungsprozess, der 1912 in Schmidt-Rottluffs Landschaftsmalerei einsetzte und der sein Werk der nachfolgenden Jahren maßgeblich bestimmte, erreichte in Haus und Bäume einen frühen, kühnen Höhepunkt. Gleichzeitig ist die Leuchtkraft des Kolorits in der Fläche abgemildert, um sie in einzelnen, eher kleinteiligen Partien des Bildes umso wirkungsvoller hervortreten zu lassen.